Exkurs: Inflight Catering

CanapesDas Thema Catering für Privatflugzeuge verdient einen eigenen Exkurs. Es hat jeden Ramp Agenten schon dermaßen viele Nerven und so viel Zeit gekostet, man könnte getrost ein ganzes Buch darüber schreiben. Heutzutage gibt es spezielle Catering-Unternehmen, die sich auf die Wünsche von Privatjetkunden eingestellt haben und ihren Job auch hervorragend machen. Diese Caterer haben dann Konzessionen mit den Flughäfen und liefern direkt bis an die Flügzeugtür. Die Rampe hat mit dem ganzen Thema nichts mehr am Hut. Es gab aber auch mal andere Zeiten. Da musste man sich selber mit den Bestellungen herumschlagen und die gewünschten Speisen im Zweifel auch selber besorgen gehen, wenn der normale Flugzeugcaterer (dessen Kerngeschäft die Massenfütterung auf Urlaubsbombern ist) spezielle Dinge nicht liefern konnte. Der sagte dann einfach „kriegen wir nicht“. Aber bevor man als Ramp Agent in der Business Aviation zu einem Kunden nein sagt, hackt man sich lieber einen Arm ab – oder hat zumindest schon alles versucht. Nein heißt für den Kunden: Wir sind zu faul uns zu bemühen. Leider hat man mit dieser Einstellung aber seinen Job verfehlt und wird noch dazu sicherlich den einen oder anderen Kunden verlieren.

EessbareblumenIch selbst habe nun also schon so einige Stunden meines Lebens damit verbracht, durch Feinkostläden und Getränkehändler in der Innenstadt zu tigern und nach Lebensmitteln zu suchen, von denen ich noch nie vorher gehört hatte. Ich sage nur: Essbare Dekoblumen. Oder Avocadosaft. Oder Halal Food (vor ein paar Jahren ein echtes Problem). Glutenfreies Müsli (vor ein paar Jahren ebenfalls ein großes Problem).

WasserAber auch vermeintlich einfache Dinge wie 0,2 Liter Evian Wasser sind alles andere als einfach zu bekommen. Es darf nicht 0,5 Liter und auch nicht 1 Liter sein, weil das nicht in die vorgeformten  Flaschen-halterarmlehnenlöcher einer Gulfstream (US Hersteller) passt. 0,2 Liter sind in hiesigen Gefilden unüblich und kaum zu kriegen.
Ganz schlimmes Thema: Fidschi-Wasser! Heutzutage in jedem Rewe zu finden. Vor nicht mal 5 Jahren aber kaum zu kriegen. Aus irgendeinem Grund war dieses Wasser zu jener Zeit besonders im Trend und jeder Kunde bestellte Fidschi-Wasser bei seiner Flugbegleiterin – und diese bestellte ebendieses dann bei uns. Ja, und dann versucht man der Dame klar zu machen, dass Fidschi-Wasser in den USA vielleicht Massenware ist, in Deutschland aber eher wenig bis gar nicht erhältlich. Besagte Dame bricht dann in Tränen aus, weil ihr Chef das Zeug doch UN-BE-DINGT haben will und schon hat man den Salat. Wir haben irgendwann Fidschi-Wasser in einem speziellen Laden irgendwo in der Innenstadt entdeckt und dieser Fund hat uns das Leben damals erheblich einfacher gemacht.

EiswürfelAuch nicht so einfach, wie es klingt: Eis. Das Beschaffen war nie ein Problem, denn das haben auch die normalen Nicht-VIP-Caterer am Flughafen auf Lager.
Aber: Man unterscheide Ice (Mundeis/ Eiswürfel für Getränke) von Ice (ebenfalls Mundeis / Eiswürfel, werden in spezielle Getränkeschubladen geschüttet, um Dosen und Flaschen zu kühlen) und das wiederum von Ice (Dry Ice / Trockeneis zum Kühlen von Tiefgefrorenem. Gehört zum Gefahrgut, da der chemische Stoff Sauerstoff verdrängt und ätzend wirkt, wenn man es ohne Umverpackung mit bloßer Haut in Berührung bringt) und das wiederum von Ice (Eiscreme / Milcheis). Eine sehr unbedarfte Kollegin hat beispielsweise einmal nicht nachgefragt und wollte diese Tatsache im Nachhinein auch nicht zugeben. Sie behauptete dann einfach, es wäre ganz klar Eiscreme gemeint und der Kollege, der das Eis einen Tag später an den Flieger brachte, musste sich in Grund und Boden schämen, als die Flugbegleiterin ihre Eiswürfel haben wollte und er nur 3 Dosen Ben und Jerry’s im Gepäck hatte. Einem guten und erfahrenen Ramp Agenten passiert das nicht. Es ist schlichtweg zu peinlich.

ZitronenUnd noch ein schönes Thema: Zitronen. Die Flugbegleiterin bestellt Zitronen. Für was sie die bestellt, kann mir als Rampe eigentlich egal sein sollte man meinen…. FALSCH! Denn wenn die Zitrone beispielsweise auf Fisch geträufelt werden soll, benötigt sie eine ganze oder halbe Zitrone. Wenn sie sie aber braucht, um sie in eine Cola zu werfen oder an den Rand eines Glases zu stecken, dann wird sie die Zitrone „sliced“ haben wollen. Man unterscheide hier: „sliced in wheels“ oder „sliced in half wheels“. Und wer jetzt meint, is doch egal, kann sie doch selber schneiden: Wieder FALSCH! Es ist mein Job, ganz genau zu erfragen, in welcher Form sie die Zitrone nun haben möchte und sie genau so auch zu liefern. Denn aus Erfahrung kann ich sagen: Nichts ist unangenehmer als eine wildgewordene Flugbegleiterin, die anstatt einer gehälftelten Zitrone eine geviertelte bekommt!

Also die Herrin der Kabine (es ist wirklich eine Klischeebranche mit 80% weiblichen Flugbegleiterinnen und im Cockpit sitzen fast nur Männer) kann einer Rampe das Leben mit ihren Sonderbestellungen ganz schön schwer machen, davon können alle Kollegen am Boden ein Lied singen. Aber zugegeben: Die Dame muss sich auch mit den unzufriedenen Passagieren auseinandersetzen, die ungehalten werden können, wenn etwas am Essen nicht passt. Somit kann man ihnen eigentlich wirklich keinen Vorwurf machen. Und was man auch sagen muss: Sie sind wahre Künstler, wenn es darum geht, Stauraum auszunutzen und Lagermöglichkeiten zu finden. Bei Chartermaschinen kommt es oft vor, dass die Flugbegleiterin die Passagiere vor dem Flug nicht kennt. Das heißt, sie kennt deren Vorlieben und das Essverhalten nicht. Ist es eine Airline, die aufs Geld schaut, dann werden ein paar Standard-Canapees bestellt und ein Tablett geschnittenes Obst und gut ist. Wenn es aber eine Fluggesellschaft ist, die Wert auf viel Gedöns legt, und die dann gerne mal noch Russen oder Scheichs als Passagiere an Bord hat, dann wird aufgefahren, was das Zeug hält. Dann ist die Prämisse: Bevor etwas nicht an Bord ist, wird alles bestellt, was es gibt. 

Catering Order
Catering Order

Das Essen vom Caterer wird zumeist auf Trays geliefert, also spezielle Tabletts aus durchsichtigem Plastik mit Deckel. Diese Trays haben eine Normgröße, die in einen Atlas-Container passt und sehen einigermaßen vorzeigbar aus, sodass ganz faule Flugbegleiter sie zur Not auch so wie sie sind auf den Tisch stellen können. Die „richtigen“ Servicekräfte richten die Speisen aber auf dem eigenem Bordporzellan an.
Nun ist es kein Problem, 3 solcher Trays in einem Atlas-Container unterzubringen, bis die Zeit der Fütterung angebrochen ist. Beim Prinzip Es wird alles bestellt, was es gibt, sprechen wir bei beispielsweise 3 Passagieren aber auch gerne mal von 20 Trays (warme und kalte Essen), einigen Kilobeuteln Eiswürfen, 20 Schüsselchen (Salate, Müslis, Desserts, etc.), 2 großen Körben mit Obst und Brötchen sowie 10 Flaschen diverser Säfte und Dressings. Das Essen für die Crew kommt da noch oben drauf. Hinzu kommen ggf. diverse internationale Tageszeitungen und Magazine. Das klingt viel. Ist es auch. Viel zu viel! Diese Mengen isst kein Mensch. Es ist reine Vorsichtsmaßnahme. Und am Ende wird mehr als die Hälfte davon weggeworfen. Das ist leider traurige Realität. Im besten Falle werden die unangetasteten Speisen nach Ankunft der Maschine am Zielflughafen an die Bodenabfertiger und Ramp Agenten verschenkt. Die freuen sich dann über Lachs und Kaviar. Wir sind keine Bettler oder Hungerleider. Aber eine komplett frisch eingeschweißte Packung Garnelen oder ein Käsetablett frisch ab Werk ist nichts, was man als vernünftiger Mensch einfach so wegwerfen würde.
Wie auch immer, für solche Mengen an Essen ist kein normales Privatflugzeug ausgelegt. Selbst eine Gulfstream 6 oder ein Global Express hat keine Galley, die solche Mengen an Stauraum bietet. So müssen die Flugbegleiterinnen kreativ werden. Ich habe es nicht selten erlebt, dass die Tabletts und Schüsseln hinter Sitzen, auf Hutablagen, im Schrank zum Aufhägen der Mäntel oder auf dem Flugbegleitersitz deponiert wurden.

Am angenehmsten sind die Flüge, wo nur 2 Piloten im Cockpit sitzen und kein extra Flugbegleiter angestellt ist. Die beiden Herren bestellen für die Passagiere dann „halt so paar Sandwiches… so irgendwie mit Thunfisch und bißchen Obst oder so… ja passt schon“. Sie nehmen, was man ihnen bringt, lagern es in irgendeinem Fach im Flugzeug und legen es den Passagieren dann mitsamt der Verpackung auf den Tisch. Easy peasy.

Ein Gedanke zu “Exkurs: Inflight Catering

  1. Angela sau-saugut 25. März 2018 / 17:16

    Wow! An was da alles zu denken ist… beeindruckend! Meine Güte, da muss ja alles passen. Respekt, da machen Sie tatsächlich einen sehr guten Job! 👏👏👏

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